— Der Inventing Room!

Diese gan­zen jetzt neu kom­men­den Social Net­works und Apps pro­biere ich eigent­lich gar nicht mehr aus. Zu viele neue Ströme, die dann auch noch beach­tet wer­den müs­sen. Sicher gibt’s dann auch wie­der Tools dafür und hier und da macht irgend etwas Ping, damit ich irgend­wel­che Aktio­nen nicht ver­passe, aber eigent­lich reicht’s mir gerade so.

Wo ich mich aller­dings neu­lich doch ange­mel­det habe, ist goodre­ads — ein Social Net­work für Men­schen und ihre Bücher­re­gale. Ist jetzt also nicht viel anders als das, was auch Ama­zon mir emp­feh­len kann — ich gebe ein, was ich bis­her so gele­sen habe und gerade lese und finde dann raus, was es noch so gibt. Kann dazu schauen, was meine Freund_innen so lesen und das alles. Macht auch Spaß, da es nicht viel Auf­merk­sam­keit erfor­dert — ich lese halt in der Regel nicht so viele Bücher, dass ich mit der Aktua­li­sie­rung mei­nes Pro­fils nicht hin­ter­her käme.

Bestimmt gibt’s auch Mög­lich­kei­ten, den Büch­er­fort­schritt über e-Book-Plattformen da ganz auto­ma­gisch hin­ein zu lie­fern, so wie last.fm es für Musik macht.

 

Dann hab ich dar­über nach­ge­dacht, dass es so etwas wie goodre­ads eigent­lich auch für Com­pu­ter­spiele geben sollte. So unter­schied­lich sind die Medien ja nicht, Bücher, Filme und Spiele. Tra­di­tio­nell sind es phy­si­sche Objekte, frü­her hat man sie sich in den Schrank gestellt. Man kon­su­miert sie meis­tens ein­mal von vorne bis hin­ten. Einige ver­wahrt man und schaut immer wie­der rein, andere wer­den ein­mal gelesen/geschaut/gespielt und dann ver­ges­sen oder weitergegeben.

(Ganz so ähnlich sind die Medien sich ja dann doch nicht. Viele Casual Games sind weni­ger Buch, statt­des­sen eher Song: Man kann sie in kur­zen Häpp­chen immer mal wie­der spie­len. Und man­che sind auch Hobby oder Trai­ning und wer­den fort­lau­fend oder regel­mä­ßig aus­ge­übt. Das darf man bei den fol­gen­den Aus­füh­run­gen nicht vergessen.)

Inso­fern könnte man mit der goodreads-Serversoftware ja eigent­lich auch genau so eine Emp­feh­lungs– und Bewer­tungs­platt­form für Com­pu­ter­spiele machen. Die Daten­bank wäre nicht sehr viel anders. Also hab ich natür­lich auch erst mal getes­tet, ob auf goodre­ads auch Spiele exis­tie­ren. Nein, nur Bücher.

Dann halt Google benut­zen: social net­work for games. goodre­ads for com­pu­ter games.

Da gibt es wohl Raptr, was eher ein Chat­sys­tem für Gamer ist, außer­dem gamerDNA; eine Web­site, die mit der gesam­ten Häss­lich­keit von Computerspiel-Umfeld-Websites daher kommt und sich offen­bar (auch) an Gil­den und Clans rich­tet, also an Zusam­men­schlüsse von Spieler_innen in Multiplayer-Computerspielen. Was goodre­ads noch am nächs­ten kommt, ist Playfire.

 

Play­fire schreckt erst ein­mal ab. Auf der Start­seite zwei junge weiße Typen, die Play­sta­tion spie­len. Das ist also die Ziel­gruppe. Auch erfährt man hier nicht, dass man sehr wohl auch will­kom­men ist, wenn man nicht am PC oder aktu­el­len Kon­so­len spielt — zur Anmel­dung soll man näm­lich erst mal ankli­cken, wel­che Platt­form (PC, XBox360, PS3, Wii) man zum Spie­len nutzt.

Würde goodre­ads so auf seine (poten­ti­el­len) Nut­ze­rin­nen zuge­hen? Zwei Nerds und dane­ben ein Feld „Mach mit! Was liest du, Fan­tasy oder Sci­ence Fic­tion?“ — da würde man ja nicht davon aus­ge­hen, dass das Netz­werk sich an alle Leser_innen rich­tet und natür­lich alle Bücher in der Daten­bank hat, die per ISBN so fin­den kann.

Na gut. Wenn man sich bei Play­fire einen Account anlegt und ab sofort ein­ge­loggt ist, muss man sich die Jungs nicht mehr anschauen. Im Pro­fil gibt man dann an, unter wel­chen Namen man in den gro­ßen Game-Diensten zu fin­den ist (Steam, PSN, XBLA). Was man spielt und wie weit man gekom­men ist, wird von dort auto­ma­tisch impor­tiert. Außer­dem kann man manu­ell noch Spiele ein­ge­ben, die man gespielt hat und die an kei­nen Dienst ange­schlos­sen sind  oder schlicht her­aus­ka­men, bevor es so etwas gab. Hier tau­chen tat­säch­lich sehr viele Spiele auf allen Platt­for­men und aus allen Jahr­zehn­ten auf.

 

Das ist also ähnlich wie bei goodre­ads. Bis hier. Denn Play­fire legt viel Wert auf Achie­ve­ments, also die inzwi­schen in sehr vie­len Com­pu­ter­spie­len vor­han­de­nen Beloh­nungs­sys­teme: Im Spiel ver­teilt bekommt man immer wie­der Fleiß­kärt­chen für die eine oder andere Auf­gabe. Um alle Achie­ve­ments zu erhal­ten, also die ange­se­he­nen 100% zu errei­chen, muss man sich schon sehr anstren­gen, weil die schwie­rigs­ten Tro­phäen oft nur durch Trai­ning und Zeit­ein­satz zu errei­chen sind.

Wie einem das Spiel gefal­len hat oder wel­che ähnli­chen Spiele es gibt oder welche_r Spieledesigner_in für andere Spiele ver­ant­wort­lich zeich­net, die einem ja viel­leicht auch zusa­gen wür­den — das gibt es alles bei Play­fire nicht. Was zählt ist die Gami­fi­ca­tion des Gamens: Wer mei­ner „Fri­ends“ ist wie weit in wel­chem Spiel? (Das muss man sich bei Büchern mal vorstellen.)

Sehr trau­rig wird es, wenn man auf ein Spiel klickt, das man manu­ell ein­ge­tra­gen hat. Da ist dann näm­lich schon Sack­gasse. Mehr als eine Liste „Diese Spiele habe ich übri­gens mal gespielt“ ist (bis­her) nicht drin. Und ich kann mir online anschauen, wel­che Steam-Achievements ich habe (was ich auch über Steam kann) und wel­che PS3-Achievements ich habe (was ich auch an mei­ner Play­sta­tion kann).

 

Mög­li­cher­weise ver­glei­che ich auch Äpfel und Bir­nen (wobei das Obst nicht die Medien Buch und Spiel sein sol­len, son­dern die Social Net­works goodre­ads und Play­fire) — aber ich finde es bemer­kens­wert, wie deut­lich unter­schied­lich hier zwei Dienste aus­se­hen, die gar nicht so unter­schied­lich sein müssten.

Die Aus­ein­an­der­set­zung mit einem Medium scheint in die­ser Form nur mit den Mit­teln des Medi­ums selbst denk­bar sein: Über Bücher wird gespro­chen und geschrie­ben. Spiele wer­den spie­le­risch ver­gli­chen, indem die Konsument_innen auf einer höhe­ren Ebene gegen­ein­an­der antre­ten. Komisch eigent­lich, dass da die jewei­lige Geschichte und Wahr­neh­mung des Medi­ums eine so starke kul­tu­relle Über­for­mung des Rezep­ti­ons­raums verursacht.

Wenn ich mir da mehr Annä­he­rung wün­schen würde (sowohl all­ge­mein in der Betrach­tung Buch vs. Spiel als auch in den zwei ange­schau­ten Net­works), dann hätte ich natür­lich lie­ber, dass diese Buch­kul­tur sich auch in einem Online­sys­tem nie­der­schlägt, in dem Spiele das Thema sind. (Umge­kehrt ist es ja eher doof. Achie­ve­ments fürs Lesen? Boom, ers­tes Kapi­tel. Yeah, lite­ra­ri­sche Anspie­lung auf Seite 37 kapiert!)

Also: Mit Leu­ten über Spiele reden. Schauen, was jemand, der auch Bio­S­hock und Deus Ex gespielt hat, noch so mag und vor allem warum. Spiele nicht nur nach ihrem Betriebs­sys­tem sor­tie­ren, son­dern auch nach ihren Deve­l­opern, und dadurch Kon­ti­nui­tä­ten in Per­so­nen und Stu­dios ein­fa­cher erken­nen kön­nen. (Auch wenn im Medium Spiel Autor_innen gibt, tau­chen diese im Ver­gleich zur Lite­ra­tur kaum auf.)

Über­haupt: Das Medium mehr mit den aus der Lite­ra­tur (und Bühne/Film) bekann­ten Rezep­ti­ons­werk­zeu­gen anfas­sen. Denn das pas­siert bis­her nir­gends. Es gibt für sich ste­hende sta­ti­sche Rezen­sio­nen. Es gibt die Web­sites der Spie­le­her­stel­ler, die immer nur nutz­lose Online­bro­schü­ren sind. Es gibt die Wikipedia-Einträge zu Spie­len, oft der ein­zige Ort, wo so etwas wie eine kul­tu­relle Ein­ord­nung statt­fin­det. Es gibt Games-Datenbanken wie Moby Games, die lange vor Social Net­works ent­stan­den sind und bei denen die Inter­ak­tion auf dem Level „Online-Forum“ ste­hen geblie­ben ist.

Bis­her wer­den Spiele trotz aller Bemü­hun­gen ihrer Apo­lo­ge­ten, sie als eben­bür­tige Kul­tur­er­zeug­nisse gewür­digt zu sehen, dann doch immer noch eher als Pro­dukt behan­delt denn als Werk. Schade eigentlich.

Meine Pro­file: goodre­ads, Play­fire.

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Ich hab noch so einige The­men im Kopf, über die ich hier blog­gen will — und kann jetzt noch nicht sagen, ob ich dafür dem­nächst end­lich mal die Zeit fin­den werde, oder ob es eher noch unwahr­schein­li­cher wird, weil ich mich schon tags­über im Job mit Tex­ten beschäf­tige und in Ein­ga­be­fens­ter star­ren werde. Ob die Erho­lung dann über andere The­men oder andere Tätig­kei­ten läuft, wird sich zeigen.

Ich würde aber tat­säch­lich gerne mehr zu Com­pu­ter­spie­len schreiben.

(Ich habe seit 2004 die GEE gele­sen, das ein­zig les­bare Spiele­ma­ga­zin der letz­ten Jahre, die lei­der im ver­gan­ge­nen Jahr quasi ein­ge­stellt wurde und seit­dem nur noch als digi­ta­les iPad-Magazin und quar­tals­weise als Print-Best-of erscheint. Aktu­ell ver­su­chen sich andere schlaue Leute am WASD-Magazin, das aber noch pre­kä­rer und exklu­si­ver daher kommt und eine noch klei­nere Ziel­gruppe von Game-Intellektuellen errei­chen wird.)

Ich weiß, da gibt es auch ein paar inter­es­sante Blogs, aber irgend­wie habe ich da noch nie reingefunden.

Teil­weise liegt das auch daran, dass ich mit die­sem VÖ-aktuellen Jour­na­lis­mus und dem Drum­herum nie viel anfan­gen konnte. Ich habe noch nie ein Spiel dann gekauft, als es raus­kam, son­dern immer erst Monate spä­ter, wenn es für 30 Euro oder weni­ger zu haben war. Dann waren die Rezen­sio­nen und der Hype aber auch schon wie­der alt und vor­bei und irgend­wie kein Raum mehr da um zu sagen: Ich würde gerne jetzt irgendwo mit jeman­dem über die­ses Spiel reden. (Bei Multiplayer-Spielen macht es noch weni­ger Spaß, spä­ter ein­zu­stei­gen, da dann schon alle damit durch sind.)

Inso­fern will ich mir viel­leicht geneh­mi­gen, die eine oder andere Rezen­sion dann zu ver­fas­sen, wenn es mir gerade in den Sinn kommt, egal ob ein Spiel dafür schon Wochen, Monate oder Jahre herum gele­gen hat. Ich bin mir nicht sicher, wen das inter­es­siert, aber die recht ähnli­che Rubrik „Rück­spiel“ der GEE (in der ein alter Favo­rit der Redak­tion noch ein­mal bespro­chen wurde) hat mich immer sehr begeis­tert, so dass ich das eine oder andere Spiel dann nach Jah­ren mal (wie­der) aus­ge­tes­tet habe.

Außer­dem habe ich mir schon viele Gedan­ken dar­über gemacht, wel­che Infor­ma­tio­nen mir in Rezen­sio­nen immer feh­len — irgend­wie muss man doch immer schon sehr viel über Spiele wis­sen, um etwas über Spiele zu erfah­ren. Ich weiß noch nicht, wie man bes­ser ver­mit­teln kann, worum es in einem bestimm­ten Spiel geht; oft kommt mir ein Text aber ähnlich beschränkt vor wie es ein Wer­be­vi­deo für das­selbe Spiel: Ich bekomme den Bild­schir­min­halt prä­sen­tiert, aber nicht die Infor­ma­tion, was ich eigent­lich für eine Rolle spiele oder Auf­gabe habe.

Inso­fern will ich auch eigent­lich noch ein­mal die Gen­res aus­ein­an­der neh­men und schauen, wel­che Tätig­kei­ten und Spiel­me­ta­phern hier eigent­lich dahin­ter ste­cken. Es gibt Spiele, die sozu­sa­gen Sport sind, aber auch Spiele, die wie Puz­zles sind und andere, die eigent­lich sehr lang­wei­li­ger Lohn­ar­beit ähneln. Man­che sind eher Filme, andere eher Bücher. Es gibt auch Spiele, die eben nicht in diese Meta­phern pas­sen. So oder so — in vie­len Rezen­sio­nen suche ich sol­che Infor­ma­tio­nen ver­ge­bens. Viel­leicht muss man auch ein­fach mal zer­le­gen, worin die Auf­gabe der Spie­ler in diver­sen Arche­ty­pen liegt.

Danach würde ich mir näm­lich oft gerne selbst ein Spiel aus­su­chen — nicht danach, wie es aus­sieht oder ob ich darin ren­nen oder schie­ßen oder rech­nen muss — son­dern wel­che Art von Tätig­keit ich gerade jetzt zur Zer­streu­ung aus­üben möchte.

Ich hoffe, dass ich in Zukunft Zeit finde, diese Ideen aus­zu­ar­bei­ten und zur Dis­kus­sion zu stellen.

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Ab dem 1. August habe ich einen neuen Job: Ich beginne ein Volon­ta­riat beim Heise Zeit­schrif­ten Ver­lag in Han­no­ver. Kennt ihr sicher — vom Newsti­cker von heise online oder der c’t. Ins­be­son­dere darf ich mich dort in der Redak­tion des Son­der­hefts hard­ware hacks (und der zuge­hö­ri­gen Web­site) betä­ti­gen, also über die The­men schrei­ben, die ich auch bis­her bei bau­s­teln und im Bereich der Make-Bücher für O’Reilly bear­bei­tet habe.

Das freut mich sehr — und gleich­zei­tig bedauere ich es natür­lich auch, nach 12 Jah­ren mei­nen Lebens­mit­tel­punkt aus Ber­lin weg nach Han­no­ver zu bewe­gen. Ich werde aber oft genug ver­su­chen, in Ber­lin zu sein (Bahn­card 50 ist bereits vor­han­den), denn ohne meine Freund_innen hier wäre das Leben doch gleich viel leerer.

Drei Wochen habe ich jetzt noch, um orga­ni­sa­to­risch eini­ges zu Ende zu brin­gen — und natür­lich, um den Som­mer hier (sofern das Wet­ter mit­spielt) zu genie­ßen. Wer mich in letz­ter Zeit zu wenig gese­hen hat, sollte sich jetzt ein­fach mal melden. :)

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Meine zwei Vor­träge, die ich auf der SIGINT12 in Köln gehal­ten habe, sind jetzt als Videos online ver­füg­bar: Auf dem ftp-Server des CCC gibt es die rund 500 MB gro­ßen mp4-Dateien zum Down­load — in Kürze sind sie sicher auch über das Web-Interface auf media.ccc.de erreichbar.

Direkt­links:

Für Nach­fra­gen steht der Kom­men­tar­be­reich natür­lich offen.

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Ich habe in den ver­gan­ge­nen zwei Wochen zwei Semi­nare mit­ge­stal­tet und ich glaube, ich habe selbst am meis­ten gelernt.

Zunächst hatte ich die Auf­gabe, 10 Schü­lern und 1 Schü­le­rin der 8. Klasse das Thema „Hard– und Soft­ware­ent­wick­lung“ im Rah­men einer Berufs­in­for­ma­ti­ons­wo­che näher zu brin­gen, was prak­tisch darin bestand, mit der Arduino-Plattform eigene kleine Schal­tun­gen auf­zu­bauen und zu pro­gram­mie­ren. Danach habe ich im DGB-Seminar Wenn die Fabrik auf den Schreib­tisch passt … Wie die Digi­ta­li­sie­rung Arbeits– und Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen ver­än­dern wird 14 Teilnehmer_innen (zwi­schen 40 und 70 Jah­ren) etwas über die Arbeits­be­din­gun­gen in Coworking-Spaces und Fab­l­abs erklärt und die im Semi­nar noch ent­stan­de­nen Eigen­krea­tio­nen live auf mei­nem 3D-Drucker ausgedruckt.

Es war des­halb so lehr­reich, weil ich sonst meist nur mit Men­schen mei­ner Alters­klasse zu tun habe, sagen wir mal groß­zü­gig zwi­schen 20 und 40 Jah­ren. So unter­schied­lich diese Men­schen auch manch­mal sind, so haben sie doch zum Teil ähnli­che Grund­an­sich­ten und –fähig­kei­ten, auf die ich mich in einem Work­shop oder sons­ti­gen Semi­nar ver­las­sen kann, z.B. den Umgang mit Com­pu­tern und ande­ren Medien. Außer­dem ist eine gene­relle Offen­heit für den gan­zen The­men­be­reich vor­han­den und alles, was ich ihnen erzäh­len und bei­brin­gen kann, passt irgend­wie ohne große Brü­che in ihre Wahr­neh­mung der Welt.

Bei den Jugend­li­chen hatte ich das zusätz­li­che Pro­blem, dass diese deut­lich weni­ger auf­merk­sam waren, als ich es von (erwach­se­nen) Teilnehmer_innen gewöhnt war. Eine Tat­sa­che, die nicht nur etwas mit dem Alter zu tun hatte, son­dern auch damit, dass diese Berufs­ori­en­tie­rungs­wo­che direkt vor den Som­mer­fe­rien lag und außer Anwe­sen­heit nicht viel bewie­sen wer­den musste. Anstelle eines Publi­kums, das mit einem Lern­in­ter­esse bewusst zu mir gekom­men ist (und dafür sogar ggf. bezahlt hat), hatte ich hier also eine Gruppe vor mir, die sich nicht unbe­dingt für die Inhalte inter­es­sierte und sich dar­über hin­aus natür­lich auch gehö­rig selbst im Weg stand, wie es in der Puber­tät oft üblich ist.

Es gibt aber kei­nen Grund, die Jugend­li­chen schlecht zu reden: Immer­hin haben wir es nach vier Tagen geschafft, in fünf Grup­pen ein funk­tio­nie­ren­des Gerät oder eine Schal­tung zu bauen und diese auch am abschlie­ßen­den Frei­tag zu prä­sen­tie­ren. Zwi­schen­durch hatte ich aber auch das Gefühl, am fal­schen Ort bzw. deut­lich unter­qua­li­fi­ziert zu sein. Es ist nicht so leicht, die mit­un­ter sehr kur­zen Auf­merk­sam­keits­fens­ter erfolg­reich zu nut­zen: Trial and Error, also das Aus­tes­ten und Her­um­spie­len an Schal­tun­gen und im Code durf­ten nie zu lange dau­ern, ansons­ten riss irgend­wie der Ver­ständ­nis­fa­den zwi­schen Ursa­che und Wir­kung und irgend­ein Brow­ser­spiel (oder Jappy) wurde doch wie­der interessanter.

Als sehr inter­es­san­tes (und uner­war­te­tes) Unter­richts­mit­tel erwie­sen sich dabei 2 sehr alte Desktop-PCs und ein defek­ter Lap­top, die wir als mög­li­ches Anschau­ungs­ma­te­rial im Semi­nar hat­ten. Die Idee war, zu Beginn erst ein­mal diese Geräte zu zer­le­gen und so ein wenig Hardware-Wissen zu ver­mit­teln. Prak­tisch hatte ich am ers­ten Tag den Jungs mit dem meis­ten Gehabe in einer gewis­sen Rat­lo­sig­keit erlaubt, die Geräte aus­ein­an­der zu schrau­ben. In den fol­gen­den Tagen kam es dann immer nach zwei bis drei Stun­den dazu, dass diese Schü­ler in einem Moment von Lan­ge­weile und Akti­ons­drang die Com­pu­ter­teile immer wei­ter zer­leg­ten und ato­mi­sier­ten. Das schien aber auch immer eine erlö­sende Wir­kung zu haben, so dass sie danach wie­der dem Semi­nar fol­gen konn­ten. Inso­fern: Ein Schrott­hau­fen zum Aggres­si­ons­ab­bau könnte päd­ago­gisch hilf­reich sein.

Meine Ziel­gruppe in der dar­auf fol­gen­den Woche kannte puber­tie­rende Schü­ler dage­gen vor allem als eigene Kin­der und Enkel und brauchte keine Zer­streu­ung durch Zer­stö­rung. Was ich hier gelernt habe, ist vor allem die hilf­rei­che Sicht von außen auf das, was wir (also ich und mein Umfeld) hier in Ber­lin „Arbeit“ nen­nen. Das war einem Besuch bei mei­nen Eltern und Groß­el­tern nicht unähn­lich: Man braucht auch immer wie­der andere Worte, um die eigene Tätig­keit zu beschrei­ben und außer­dem kommt man sich dabei immer ein wenig lächer­lich vor, weil es inner­halb die­ses Ber­lin­kon­tex­tes alles immer so stim­mig scheint und dann von Extern betrach­tet auch immer ein Stück weit in sich zusam­men fällt.

Da saßen also gestan­dene Men­schen, die im Ruhr­ge­biet und in klei­nen Städ­ten an der Grenze dreier Bun­des­län­der in Betrie­ben und Ver­wal­tun­gen arbei­ten und Auto­teile her­stel­len, Berufs­an­fän­ger bera­ten und Betriebs­ab­läufe über­wa­chen, und außer­dem in der einen oder ande­ren Weise gewerk­schaft­lich aktiv sind. Das Semi­nar fand nicht zufäl­lig im beta­haus in Ber­lin statt, wo die meis­ten Men­schen anders, freier und meis­tens pre­kä­rer arbei­ten und für die es eigent­lich keine Gewerk­schaft gibt.

Die Iro­nie, dass ich als Teil die­ser pre­kä­ren Gruppe etwas Geld damit ver­diente, die­sen Teilnehmer_innen eben genau auch davon zu berich­ten (und dies auch neu­tral, kri­tisch und dis­tan­ziert zu tun), blieb uns allen natür­lich nicht ver­schlos­sen. Inter­es­sant natür­lich auch der immer wie­der her­vor­kom­mende Unglaube, dass die Men­schen im beta­haus sich die­ses Leben nicht nur z.T. selbst aus­ge­sucht hat­ten, son­dern es auch gar nicht als so ein gro­ßes Pro­blem ansa­hen, aus dem man mög­lichst schnell wie­der her­aus­kom­men sollte.

Ich kann also am Ende gar nicht sagen, ob ich die Gruppe über­zeugt habe, dass Arbeit und Leben auch so aus­se­hen kann, oder ob die Gruppe mich dazu gebracht hat, das alles mal wie­der etwas kri­ti­scher zu sehen. Inter­es­sant war das Semi­nar alle­mal; es ging um Open Source und Fab­bing und die digi­tale Bohème und das Bedin­gungs­lose Grund­ein­kom­men, was ja alles auch immer etwas zusam­men­hängt, aber sicher auch eine Menge an halb­ga­ren Ideen für jeman­den dar­stellt, der dem erlern­ten Beruf seit Jahr­zehn­ten treu ist und ein gutes Leben führt, in dem der Com­pu­ter hin und wie­der als bes­sere Schreib­ma­schine vorkommt.

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Die meis­ten Arti­kel schreibe ich, zumin­dest in Stich­punk­ten, im Kopf. Meis­tens unter der Dusche, im Bett oder auf dem Fahr­rad. Da ich mir Sachen nicht so gut mer­ken kann, bis ich mal wie­der vor einer Tas­ta­tur sitze, wer­den die meis­ten Gedan­ken am Ende dann doch keine Artikel.

Der heu­tige Arti­kel, der eigent­lich auch wie so viele andere gar nicht erst ent­stan­den wäre, hätte den Titel: „Warum ich nicht mehr auf Floh­märkte gehe“. Er wäre in etwa so gegangen:

Heute war ich mal wie­der auf einem Floh­markt. Ich habe aber nichts gekauft — irgend­wie gibt es da dann mitt­ler­weile ja doch fast nichts mehr zu fin­den. Würde man ehr­lich durch­sor­tie­ren, könnte man ca 50% der ange­bo­te­nen Waren sofort ent­sor­gen, weil gleich auf den ers­ten Blick offen­sicht­lich wird, dass es sich um Ramsch han­delt, den sich die Besit­zer noch nicht getraut haben, weg­zu­wer­fen, obwohl klar ist, dass nie­mand mehr etwas damit anfan­gen kann: Spiele, bei denen Teile feh­len, Wer­be­ge­schenke, selbst­ge­brannte CDs.

Aber auch beim Rest werde ich nicht fün­dig, bei Klei­dung z.B. — nur ganz sel­ten mal. Das liegt auch daran, dass 80% aller Klei­dung Damen­klei­dung ist. Ich weiß nicht, was Män­ner da ten­den­zi­ell anders machen, dass sie auf dem Floh­markt eher wenig anzu­bie­ten haben. Ich ver­mute, dass da zusam­men­kommt, dass sie eher funk­tio­nal ein­kau­fen und Dinge tra­gen, bis sie kaputt gehen und dass ihre Klei­dung weni­ger beson­ders ist und daher beim Sor­tie­ren der abge­leg­ten Teile das meiste eben gleich im Alt­klei­der­sack lan­det (da klar ist, dass nie­mand Inter­esse an einem beigen aus­ge­beul­ten Baum­woll­pull­over hat — jeden­falls nicht an noch einem).

Da gibt’s ein­fach nichts, und wenn es doch mal Sachen mit Wert sind, dann sind sie auch gebraucht noch zu teuer und sowieso nicht in mei­ner Größe. Der Aspekt der Größe ist es auch, der dann die mög­li­cher­weise inter­es­san­ten Stü­cke an Damen– und/oder Unisex-Kleidung unat­trak­tiv macht, für Schuhe gilt dasselbe.

Aber es gibt ja nicht nur Klei­dung. Es gibt alles. Nur das Beson­dere fehlt — wer schlau ist, hat das im Vor­feld natür­lich schon auf ebay ver­kauft. Das weiß ich aus eige­ner Erfah­rung, ich hab es ja selbst schon genau so gemacht. Was bleibt, ist das Mit­tel­feld: Schmuck, Bücher, Ton­trä­ger und Abspiel­ge­räte. Das wenigste davon will ich haben, inzwi­schen bin ich ja dank­bar für alles, das vir­tu­ell ist und kei­nen Raum einnimmt.

Inso­fern stelle ich mir die Frage: Warum laufe ich da eigent­lich immer noch hin und schau mir die Stände genau durch? (Das ist dann auch der Moment, wo ich merke, grü­belnd auf dem Fahr­rad sitzend, dass der Arti­kel nicht unbe­dingt geschrie­ben wer­den muss. Ich kenne näm­lich genug Men­schen, die schlauer sind als ich, und sich genau das schon vor 10 Jah­ren über­legt haben und sich seit­dem nur noch wider­wil­lig auf Floh­märkte bewe­gen las­sen. Und einen Arti­kel, auf den man haupt­säch­lich mit „Merkste sel­ber, ne?“ ant­wor­ten kann, muss man viel­leicht nicht schreiben.)

Ich glaube, es liegt daran, dass ich zwei­mal Glück und ein­mal Pech auf Floh­märk­ten hatte. Ein­mal fand ich, vor 15 Jah­ren, ein frü­hes sel­te­nes „Star Trek“-Buch; eine deut­sche Über­set­zung in einem Kin­der­buch­ver­lag aus den spä­ten 60ern, bevor die Serie über­haupt im Fern­se­hen lief. In der deut­schen Bear­bei­tung waren the­ma­ti­sche Anpas­sun­gen vor­ge­nom­men wur­den, außer­dem gab es skur­rile Zeich­nun­gen, die ein deut­scher Illus­tra­tor dem Text zur Seite gestellt hatte, offen­bar ohne zu wis­sen, dass das Buch sei­ner­seits auf einer ame­ri­ka­ni­schen Fern­seh­se­rie beruhte. Inso­fern ein inter­es­san­tes Samm­ler­stück. Das Buch habe ich für 1 DM mit­ge­nom­men und spä­ter irgend­wann mal für deut­lich mehr weiterverkauft.

Das andere Mal kaufte ich für 15 Euro ein Casio-Keyboard, dass sich auf­grund sei­ner Schal­tung einige Zeit spä­ter durch Anlei­tun­gen im Inter­net als belieb­tes Objekt für künst­le­ri­sche Mani­pu­la­tion her­aus­stellte. Als ich ein, zwei Jahre danach das­selbe Gerät noch ein­mal auf einem Floh­markt ent­deckte, ließ ich es ste­hen, weil es 20 Euro kos­ten sollte und auch etwas dre­ckig war. Daheim habe ich dann her­aus­ge­fun­den, dass es im Inter­net in Zwi­schen­zeit für eher 100 Euro gehan­delt wurde.

Inso­fern ist es bei mir wohl der Casio-Fluch: Ich warte seit­dem (und das ist schon bestimmt 6 Jahre her) dar­auf, dass sich die­ses Pech (und zwar  ja nur das Pech, ein gutes Geschäft ver­passt zu haben) irgend­wann mal wie­der aus­gleicht — indem ich irgend ein Ding auf dem Floh­markt ent­de­cke, dass ich ent­we­der selbst immer haben wollte oder das durch Unwis­sen­heit viel zu güns­tig ange­bo­ten wird, was außer mir natür­lich kei­ner weiß.

Das ist natür­lich ein ziem­lich blö­der Grund. Noch dazu, weil es ansons­ten nicht gerade zu mei­nen Lieb­lings­be­schäf­ti­gun­gen gehört, mich durch Men­schen­mas­sen zu bewe­gen oder, ganz grund­sätz­lich, über­haupt ein­kau­fen zu müssen.

Heute gab es genau ein Ding, das mich inter­es­siert hat: Ein Kame­ra­ob­jek­tiv, das auf meine Kamera pas­sen würde und auch, trotz des Alters, ganz gut aus­sah. Inzwi­schen habe ich ein Smart­phone und schlage in sol­chen Fäl­len natür­lich sofort nach, ob der ange­ge­bene Preis in Ord­nung ist. Lei­der (oder zum Glück) konnte mir das Inter­net bei die­sem Modell nicht wei­ter­hel­fen. Und da ich in den letz­ten Mona­ten schon öfter von mei­ner frü­her pro­blem­los erfüll­ba­ren Regel abge­wi­chen bin („Ich sollte wenigs­tens eine Sache kau­fen, damit sich der Besuch des Floh­markt wenigs­tens gelohnt hat.“), fuhr ich die­ses Mal auch wie­der ohne Kauf davon.

Alles in allem also ziem­lich unsin­nig, und doch sehr mensch­lich. Meine Neu­gierde, mein Hobby-Archäologentum im Bereich „Ramsch“ und die leise Hoff­nung das eigene Erfolgs­konto doch irgend­wann wie­der auf Null zu brin­gen (d.h. den „Casio-Fluch“ los­zu­wer­den) — ich befürchte, das treibt mich dann doch immer mal wie­der auf einen Floh­markt, wenn die Sonne scheint und ich mir aus Gewohn­heit denke: „Ach ja, da könnte ich ja mal hingehen.“

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Ist das der Ort für Auf­sätze à la „Mein schöns­tes Ferienerlebnis“?

Egal, ich war in Wien und ich bin ange­tan. Warum auch immer es bis 2012 gedau­ert hat, denn Wien ist eine Stadt, die mir gefällt. Aus der Sicht eines Tou­ris­ten natür­lich, denn auch wenn der Gedanke „ach, hier könnte ich auch gut leben“ schnell kommt, weiß ich dann doch zu wenig über die Bezirke, wer wo lebt und wo ver­drängt wird.

Was kann man in drei Tagen sehen? In die­sem Fall waren es tou­ris­ti­sche Ziele wie die Innen­stadt mit Ste­phans­dom und Pra­ter und Nasch­markt und (wegen des Regens) ein Muse­ums­be­such im Natur­his­to­ri­schen Museum. Aber natür­lich auch: Das Muse­ums­quar­tier mit dem Büro der Künst­ler­gruppe mono­chrom und dem 8-bit-Laden Subotron.

Und viel Her­um­lau­fen, im 7. Bezirk (Neu­bau) hin­ter dem MQ, im 16. Bezirk (Otta­kring) und über­all guten Kaf­fee trin­ken: Im Lite­ra­tur­café phil und am Yppen­platz am Ende des Brun­nen­markts. Mit Twitter-Freund_innen im top kino Bier trin­ken und trotz­dem mit dem Nacht­bus in 20 Minu­ten wie­der in der Feri­en­woh­nung im 3. Bezirk sein. Auf der Donau­in­sel in der Sonne her­um­sit­zen. Den Hacker­space, das Metalab besuchen.

Das hat sich alles, jeden­falls in den drei Tagen, als diese Mischung aus Groß­stadt und Unauf­ge­regt­heit, aus groß und klein her­aus­ge­stellt, die ich hier in Ber­lin schätze und bis­her nicht oft in ande­ren Städ­ten gefun­den habe; viel­leicht noch in Ham­burg. Und so rich­tig häss­lich ist es in Wien auch nir­gends (etwas, dass ich schon letz­tes Jahr in Graz fest­ge­stellt habe, viel­leicht liegt es ja an Österreich).

Die Frage bleibt, wie man mit sol­chen Städ­ten und der neu gefun­de­nen Begeis­te­rung umgeht. Immer mal wie­der drei Tage hin­fah­ren? Ein­fach mal pla­nen, län­ger dort zu arbei­ten und alles aus der Bewoh­ner­per­spek­tive zu erfah­ren? Viel­leicht ein Mit­tel­ding und ein Grund sich mal Wohnungstausch-Seiten anzu­se­hen. Wo man am Inter­net sitzt und seine Arbeit tut — das könnte ja auch mal ein Monat Wien sein.

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